27.09.2017

Smart Mobility

Die neue Mobilität geht von den Städten aus, so tönt es stadtein, stadtaus. Eine auf den zweiten Blick irritierende Selbstverständlichkeit, ist doch außerhalb von Städten der Mobilitätsbedarf erheblich höher, die Entfernungen – ebenso wie die Lücken in der Infrastruktur – größer. Und so bilden sich in ländlichen Räumen wegweisende Mobilitätskonzepte, Sharingdienste und lokal adaptierte Lösungen wie in den urbanen Zentren. Die Entwicklung hin zu einer Mobilität der Zukunft geht nicht allein von den Städten aus. Aber sie gewinnt ihre Dynamik in den Städten. 

 

Vier Faktoren beeinflussen die Entwicklung der Mobilität: Connected – Autonomous – Sharing – Electric. Diese vier ursprünglich unabhängig voneinander wirkenden Kräfte verstärken sich im Zusammenspiel gegenseitig und erzeugen den Druck auf die Mobilitätskonzepte und Geschäftsmodelle, der sich gerade im Kontext der Smart City zeigt. Nebenbei: Auch die Unternehmen der europäischen Automobilindustrie haben ihre strategischen Initiativen inzwischen unter dem passenden Acronym C-A-S-E gebündelt. 

 

Die Dynamik der kommenden Jahre wird sich dabei mehr und mehr beim öffentlichen Verkehr zeigen – und diesen und seine prägenden Unternehmen dabei vollständig verändern. Einerseits ist der ÖPNV Vorreiter der Entwicklung: Connected sind die Fahrzeuge des ÖPNV ohnehin schon, das Sharing-Prinzip „Nutzung statt Besitz“ wohnt ihnen per se inne. Autonome Lösungen sind technisch längst ausgereift, das zeigt die Nürnberger U-Bahn schon lange – und die Bahn sucht intensiv nach alternativen Karriereoptionen für mehrere zehntausend Lokführer. Nun treibt auch der vierte Faktor. Proterra hat gerade mit einem Elektrobus eine Reichweite von deutlich über 1000 Kilometer realisiert. 

 

Andererseits stehen die Anbieter öffentlichen Verkehrs stark unter Druck. Mehr und mehr Flottenbetreiber drängen auf den Markt, zuletzt auch Zulieferer der Automobilindustrie wie Bosch, die den Schritt ins Endkundengeschäft wagen. Jede zusätzliche Flotte drückt die Preise, perspektivisch damit auch den Wert von Mobilität. In der Schweiz formiert sich derweil eine Initiative, die – im Interesse der Innovation in der Mobilität – den Stopp jeglicher Investition in den ÖPNV fordert. Das Gegenbild: Der heutige Anbieter von Mobilität wird zum Betreiber von Infrastruktur für Endkunden. Insbesondere auf Gleisen ein weithin unerschlossenes Feld. Dabei sind entsprechende Fahrzeuge, die Individualverkehr auf Schienen ermöglichen, bereits entwickelt. Der Innovationsschritt: Aus der aktiven Infrastruktur von heute – Züge werden aus der Leitstelle gesteuert und die Infrastruktur regelt den Verkehr – wird eine passive Infrastruktur. Schienen, auf denen die Fahrzeuge den Verkehr selbst regeln. Die Folge: Eine drastisch erhöhte Verkehrsdichte auf den Schienen wird möglich. Fahrzeuge, die sich während der Fahrt an- und wieder abkoppeln, steigern die Flexibilität. 

 

Das Recht auf Emissionsausstoß aber hat das Potenzial, zum entscheidenden zusätzlichen Treiber zu werden, der aus Möglichkeiten Entwicklungen macht. Mit jedem Urteil, das das Recht auf saubere Luft für Anwohner stärkt, wird das Recht auf Emission zum knappen und damit zum wirtschaftlich lukrativen Gut. Wer heute schon eine Börse für den Emissionshandel im Individualverkehr entwickelt, sichert sich einen möglicherweise entscheidenden Vorsprung. Aus Sicht der Industrie ein rentables Modell, durch die Bereitstellung von Elektrobussen Emissionsguthaben zu erwirtschaften, die dann wiederum durch km-/CO2 genaue Abrechnung auch an Smogtagen an einzelne Nutzer von Individualverkehr vertrieben werden können. Spätestens dieser Faktor macht die Smart City zum dynamischen Treiber der Mobilität. 

 

Foto: © chagpg – Fotolia.com

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URBAN TECH Analyse vom 08.11.2017

Die Stadt der Zukunft