26.07.2017

Smart Cash

Warum die Smart City der Zukunft kein Bargeld mehr benötigt

 

Während Europäer immer noch mit Faszination ins Silicon Valley schauen, kommen viele der großen Innovationen inzwischen längst aus Asien, genauer: aus China. Zum Treiber und weltgrößten Markt für Elektromobilität hat sich China bereits aufgeschwungen. Aktuell angekündigt und breit kommuniziert ist das Vorhaben, weltweit führend im Bereich der künstlichen Intelligenz zu werden.

 

In Europa noch weitgehend unbemerkt vollzieht sich in den Metropolen Chinas ein Wandel von mindestens vergleichbarer Reichweite. Binnen der vergangenen drei Jahre wurde hier das Ende des Bargelds de facto eingeläutet.

 

Alipay und Wechat sind die beiden Bezahlsysteme, die sich den chinesischen Markt aufteilen. Alibaba und Tencent die Unternehmen dahinter. Beide längst in der Liga internationaler Großkonzerne. Für das kommende Jahr wird erwartet, dass sie klassische Kreditkartenunternehmen wie Mastercard und VISA im Umsatz überholen – und das allein auf dem chinesischen Markt.

 

Bemerkenswert ist die Stoßrichtung. Während sich Europa bei zukünftigen Bezahlsystemen auf Karten orientiert, verabschiedet sich in China die Wirtschaft insgesamt von klassischen Bezahlsystemen und setzt allein auf Smartphones. Schweden zahlen selbst die Kollekte im Gottesdienst per Karte. Auch in Amsterdam bleibt das Bargeld am Ende meist im Portemonnaie.

 

Hongkong wird vielfach als die international erste Stadt genannt, in der ein Leben ohne Bargeld nicht nur möglich, sondern schlicht normal ist; auch hier weicht das Bargeld Kartenlösungen, hier meist Prepaid, durch Bargeld aufzuladen.

 

Wer in deutschen Medien nach Städten ohne Bargeld sucht, findet klagende Hinweise in Regionalmedien über Kleinstädte ohne Bankfiliale und Geldautomaten. In Berlin ist im Taxi bei bargeldloser Zahlung immer noch ein Zuschlag erforderlich. Und die eine mittelgroße Stadt in Deutschland, Kleve am Niederrhein, in der öffentlichkeitswirksam zumindest Kleingeld abgeschafft wurde, kann nur ein Drittel der Händler überzeugen, auf Kupfermünzen zu verzichten und stattdessen den Preis zu runden. Wissenschaftler prüfen parallel zehntausende Kassenbelege, um herauszufinden, ob der Verzicht auf Centmünzen nicht zu einer verdeckten Preiserhöhung führt. Ein Wandel, letztlich angstgetrieben. In China wird derweil das Bezahlsystem der Zukunft aufgebaut, ohne Karte, ohne Scheine, nur per App auf dem Smartphone.

 

Bemerkenswert ist diese Entwicklung, gerade weil die Innovationshindernisse so offensichtlich sind: Die chinesische Wirtschaft koppelt sich an zwei privatwirtschaftliche Unternehmen; gerade der chinesische Apparat baut Abhängigkeiten in der Geldpolitik auf. Die chinesische Wirtschaft setzt auf ein System, das außerhalb der Metropolen nur eingeschränkt funktioniert – und in ländlichen Regionen ohne schnelle Mobilfunkanbindung gar nicht. Und die größte Hürde: Nur wer ein Konto bei einer chinesischen Bank hat, kann sich beteiligen. Ausländische Touristen, internationale Nutzung – kategorisch ausgeschlossen, zumindest derzeit.

 

Bezahlsysteme, auf ein Land beschränkt, nur in Ballungsräumen, nur für die digitalisierten Bürger und Unternehmen – was nach Minderheit klingt, drängt de facto gerade das Bargeld aus dem Alltag. Schnell, einfach, sicher, deutlich günstiger. Wo Händler sich kein teures Lesegerät mehr anschaffen müssen, entsteht offenbar Attraktion – und die wird unübersehbar, wenn selbst Straßenmusiker nicht um Münzen oder Scheine bitten, sondern einen QR-Code bereithalten.

 

Für die Smart Cities ein weiterer Baustein, mit dem sie sich vom Rest des Landes abkoppeln. Der Graben wird erneut ein Stück tiefer. Insofern sind die Erfolgsgeschichten von Wechat und Alipay eine Blaupause dafür, wie sich die Dynamik der smarten Metropolen selbst beschleunigt. Mehr Wirtschaft führt zu mehr Zuzug, führt zu mehr Druck auf die Metropolen, mit weiteren smarten Lösungen die Lebensqualität zu verbessern. Smart Cities werden smarter.

 

 

 Foto: © natali_mis – Fotolia.com

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URBAN TECH Analyse vom 26.07.2017

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