21.06.2017

Sound matters

Eine Metropole, die etwas auf sich hält, ist quirlig und beweglich, sie duftet und stinkt – und sie ist laut. Während Stadtlärm gängig nur unter der Frage diskutiert wird, wie wir ihn vermeiden können, bietet die Analyse von Klang – und mehr noch: die Modellierung von Klang – zahlreiche Möglichkeiten, die eigene Lebenswelt zu gestalten und erfolgreiche Geschäftsmodelle zu entwickeln. Der Klang leitet den Gründer zu seinem optimalen Standort, führt Unternehmenskonzept und Umgebung zusammen.

 

Wegweisend ist das SONYC: Sounds of New York City, ein Projekt der New York University. Mit hunderten Sensoren kartographieren die Forscher den Klang der Stadt. Vergleichbare Projekte sind aus anderen Metropolen bekannt. Chicago installiert Sensoren als „Fitness-Tracker“ der Stadt, um alle Vitalfunktionen der Metropole zu registrieren und analysieren zu können.

 

Das Team von SONYC setzt intensiv auf die Leistungsfähigkeit neuronaler Netze und selbstlernender Systeme künstlicher Intelligenz und bindet die Bevölkerung ein. Damit gehen die Forscher einen entscheidenden Schritt weiter als die immer gleichen Diskussionen um Lärm und Lärmvermeidung. Sie eröffnen die Möglichkeit, den Klang der Stadt zu verstehen – und ihn im zweiten Schritt zu gestalten. Datenspezialisten modellieren den Klang der Stadt in 3D. Es passt ins Bild: Der Kopf des Forschergruppe ist Musiker.

 

Die nur auf ersten Blick naheliegende Erkenntnis: Sound matters. Der Klang ist ausschlaggebend, nicht nur für das Ausmaß von Belastung der Bürger einer Stadt, sondern auch für unsere Wahrnehmung der Stadt. Klang, so stellt sich heraus, prägt die Wahrnehmung von Architektur, da wir unmittelbar erleben, ob und wie Klang und Gebäude korrespondieren.

 

Aus Perspektive der Stadtplanung und -gestaltung formuliert: Ohne eine differenzierte Echtzeitvermessung des Klangs der Stadt wird sich die Geometrie der Städte nicht ermessen lassen. Beispiel Sicherheit: Die Forscher der New York University analysieren den Zusammenhang zwischen Geräuschpegel und Kriminalität, in Quantität und Qualität. Die Modellierung des Klangs der Stadt als Instrument, die Stadt zu einem sicheren Ort zu machen. Oder eben: Den geeigneten Standort für das richtige Geschäftsmodell zu identifizieren.

 

Dem korrespondiert die Entwicklung, dass Klang mehr und mehr zum zentralen Zugangsmedium zu künstlicher Intelligenz in Lebens- und Arbeitswelt wird. Apple hat gerade als letzter der großen Tech-Unternehmen seinen smarten Lautsprecher vorgestellt. Sprechen und Hören, qualifizierter Sound bringt die smarte Vernetzung in den Alltag, tiefer denn zuvor. Die grundlegende Interaktion über qualifizierten Sound ermöglicht es, zusätzliche Ebenen der Kommunikation über den faktischen Inhalt hinaus zu erschließen.

 

Natürlich: Musik wird oft als störend empfunden, da sie mit Geräusch verbunden wird. Die ebenso lästigen wie gesundheitsschädlichen Folgen von Lärm sind lange beschrieben, am Arbeitsplatz, am Wohnort, Belastungen durch Maschinen, startende und landende Flugzeuge, etc. Jedes durchschnittliche Verwaltungsgericht hat inzwischen eine erhebliche Expertise zum Thema aufgebaut. Ebenso deutlich ist aber auch: Von Schallschutzfenstern im Einzelfall abgesehen, ist ein Erfolg im Kampf gegen den Lärm der Großstadt wenig wahrscheinlich.

 

In New York setzen sich Vereine wie die „Society for the Suppression of Unnecessary Noise“ seit mehr als hundert Jahren dafür ein, den Lärm in Städten zu reduzieren. Die Wirkung ist überschaubar. Seit der öffentlichen Diskussion in New York im Jahr 1903, ob Autogeräusche stärker stören als das Klappern der Pferdehufe auf Kopfsteinpflaster, ist die Metropole nicht leiser geworden. Am Rande bemerkt: Damals ging es noch um Elektroautos. Der Siegeszug des Verbrennungsmotors stand noch bevor. 


Foto: © jozsitoeroe – Fotolia.com

URBAN TECH NEWSLETTER

Der kostenlose Newsletter informiert Sie regelmäßig über die wichtigsten Trends in der internationalen UrbanTech-Welt.

Hier abonnieren

URBAN TECH NEWSLETTER

Sie können sich kostenlos für den URBAN TECH Newsletter registrieren und alle URBAN TECH Analysen kostenlos erhalten. Bitte geben Sie Ihre Daten wie folgt an:

Bitte füllen Sie die Pflichtfelder aus!

Ich interessiere mich für die „CREATING URBAN TECH - Die Berliner Wirtschaftskonferenz". Ich möchte regelmäßig den URBAN TECH Newsletter erhalten.

Ich bestätige, dass die hier gemachten Angaben zum Zwecke der Organisation der CREATING URBAN TECH Konferenzen von den Organisatoren genutzt werden dürfen. Eine Weitergabe oder Verkauf an Dritte ist ausdrücklich ausgeschlossen.*

*Pflichtfeld
x
URBAN TECH Analyse vom 11.10.2017

Das Internet of Buildings