20.03.2017

Smog als Ressource

„Pollution is nothing but the resources we are not harvesting“, so das indische Startup Graviky Labs. Es fährt fort: „We allow them to disperse because we’ve been ignorant of their value.” Währenddessen geht in Deutschland das öffentliche Entsetzen über drastische Fahrverbote in Stuttgart durch die Medien. Zwangspause selbst für Neuwagen, die die Euro 5-Norm erfüllen. Die Landesregierung von Baden-Württemberg sah sich in der Zwangslage, kurzfristige drastische Maßnahmen zu beschließen. Zahlreiche Medien ergänzten sofort eindrucksvolle Listen weiterer – im Grunde aller – deutscher Metropolregionen, die kurz vor derselben Zwangslage stehen.

Ein größerer Teil der Luftbelastung entsteht dabei nicht durch den Straßenverkehr, und auch nicht lokal. Denn selbst wenn die Debatte international neue Nahrung erhält, ob der Klimawandel überhaupt vom Menschen ausgelöst oder beschleunigt ist – Feinstaub und Smog sind es längst. Die Berliner Feinstaubwerte sind direkt davon abhängig, ob der Ostwind Partikel aus osteuropäischen Kaminen in die Region weht. Ein globales Phänomen: Wissenschaftler der US-amerikanischen EPA haben gerade nachgewiesen, dass ein erheblicher Teil der Luftverschmutzung in den Metropolen des amerikanischen Westens aus Ostasien stammt. Und auch dort: Der Smog Pekings wird wesentlich von der Landwirtschaft im Umland ausgelöst. So sehr lokale Fahrverbote die Emissionen begrenzen, ihre Wirkung bleibt begrenzt.

Zwei Entwicklungen werden indes in diesem Zuge gefördert. Zunächst sind dies Technologien für die dezentrale Messung der Luftqualität. Per Device für die Hosentasche, ablesbar in der App. Der „flow“ von Plume Labs integriert sogar eine Vorschau der Luftqualität. Predicitve Analytics für Feinstaub & Co. Vergleichbare Technologien bilden sich heraus, wo Industrieproduktion in die Städte zurückkehrt.

Parallel zeichnet sich eine Entwicklung ab, die die gängige Vermeidungsstrategie umkehrt. Die smarte Aufgabe: Entwickle Technologien, um die Partikel der Stadtluft als Ressource zu nutzen. 2016 hat Allison Dring ihr Konzept von carbon negative facades auf der Creating Urban Tech vorgestellt.

Batterien
atmen das Carbon aus der Luft und speichern auf diese Weise zusätzliche Energie. Ein physikalisches Prinzip, das schon länger bekannt ist und inzwischen effizient genug umgesetzt werden kann, zum Beispiel im Umfeld von Kraftwerken. Ein Ergebnis der zahlreichen Forschungsstränge auf der Suche nach neuen Batterietechnologien.

Sehr viel handfester die Lösung von Graviky: Ihr „Kaalink“ sammelt die Partikel direkt an Auspuffrohren und Kaminen, einfach und robust – und nutzt sie, um daraus Tinte für Druckerpatronen herzustellen. Smog als Ressource.


Foto: © mik_cz – Fotolia.com

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URBAN TECH Analyse vom 11.10.2017

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