27.05.2016

Bildungslandschaft digital: Wie sich Schulen und Universitäten behaupten

Schulen, Universitäten und Bibliotheken haben ihren Monopolstatus verloren – in einer Zeit, da fast jegliches Weltwissen nur einen Mausklick entfernt liegt, sind sie längst nicht mehr der alleinige Hort der Bildung. Städte müssen sich damit als Orte der Bildung neu denken. Eine disruptive Entwicklung: „Die Digitalisierung zerstört die Schule (wie wir sie kennen), und das ist auch gut so“, formuliert der Bildungsjournalist Christian Füller.

 

Nach der Umfrage 2030 School Survey unter 645 Bildungsexperten wandeln sich Schulen zu digital vernetzten Lernnetzwerken: Klassenzimmer werden zu Meeting-Räumen, in denen sich die Schüler austauschen und zu kooperieren lernen. Die Rolle der Lehrer wandelt sich zu Mentoren, die das Lernen mit neuen Technologien ermöglichen und begleiten – und damit junge Menschen auf die Arbeitswelt 4.0 und die Gesellschaft der Zukunft vorbereiten.

 

Derzeit fühlen sich in Deutschland nach einer YouGov-Umfrage erst 17 Prozent der Schüler von ihren Lehrern auf die digitale Arbeits- und Lebenswelt vorbereitet, lediglich acht Prozent halten die Mehrheit ihrer Lehrer für sehr kompetent im Umgang mit digitalen Medien. Deshalb fordert Microsoft einen digitalen Bildungspakt für Deutschland, und Google stellt mit seinem digitalen Klassenzimmer ein Kontrollzentrum für den Unterricht zur Verfügung. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung befasst sich mit der Praxis der digitalen Bildung.

 

Einer, der dem digitalen Wandel im Bildungswesen Schub verliehen hat, ist Salman Khan mit seiner kostenlosen Khanacademy vom kleinen Einmaleins über die Quantentheorie bis hin zum Programmieren. Khans TED-Talk gibt einen Einblick in die Zukunft der Bildung – und inzwischen arbeiten nicht nur Schüler individuell mit dem System, sondern auch Schulbezirke und Schulen. Damit wird der Schulraum nicht überflüssig, aber seine Funktion wandelt sich grundlegend zu einem Raum des Austauschs: An welcher Stelle ein Kind nicht weiterkommt, ist am Bildschirm ersichtlich – und Lehrer, oder noch besser, Mitschüler, können punktgenau Tipps geben.

 

Auf universitärem Level hängt Studieren in Harvard oder Stanford immer weniger von der physischen Präsenz oder vom Geldbeutel ab. Die Revolution hat ein Namen: Massive open online course (MOOC). Den – wahrhaft massiven – Anfang machten die Professoren Sebastian Thrun (Standford) und Peter Norvig (University of Southern California) mit ihrem Kurs Einführung in die künstliche Intelligenz, an dem sich 160.000 Menschen aus 190 Ländern beteiligten, am Ende bestanden 23.000 Studierende die Prüfung. Inzwischen gibt es Coursera, gegründet von den Stanford-Professoren Daphne Koller und Andrew Ng. Amerikanische Elite-Universitäten und Hochschulen aus aller Welt öffnen ihre Kurse für alle. Und: Wer bei den Coursera gut abschneidet, wird mitunter direkt von der Plattform weg rekrutiert.

 

Bei der Non-Profit-Organisation edX, einem Projekt der Harvard University und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT), steht das Kursangebot technischer Hochschulen wie Caltech, Berkeley, Harvard und TU München allen offen, bei Iversity werden viele Kurse auf Deutsch angeboten, Udacity bietet teilweise kostenpflichtige Kurse von Google an. Beim britischen Futurelearn sind 20 Universitäten und Bildungseinrichtungen wie das British Museum versammelt.

 

Bildung löst sich so aus ihrem geografischen Kontext. Und doch werden sich weder Schulen noch Präsenzuniversitäten in Luft auflösen – sie müssen Ihre Rolle allerdings neu finden. Die Abläufe und Kanäle, in denen sich Bildung vollzieht, sind in einem grundlegenden Wandel. Bildung auf allen Kanälen: Genau das braucht die Smart City der Zukunft.

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URBAN TECH Analyse vom 08.11.2017

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